QM
4 | 19.09.2021

Rasch

„So langsam begreife ich, wie ich wohl auf andere wirke. Apathisch kalt und abweisend undurchschaubar. Ich hatte es bislang immer als Vorteil verstanden, sich vor anderen niemals zu offenbaren. Dass es aber derart bedrückend für mein Gegenüber sein kann, wird mir erst heute bewusst.“ (S. 194)

Eigenwillige Charaktere oder Menschen unterschiedlichster Abstammung mit speziellen Eigenarten dringen durch die Darstellung des Autors in unser Bewusstsein. Schaffen es die Protagonisten in unser Gefühlszentrum, bewerten wir entsprechend unseren eigenen unbefriedigten Wünschen, ob uns der Mensch sympathisch ist. Dabei ist eine Unzufriedenheit, ja pessimistischen Grundstimmung der zu Beginn vorgestellten Personen fast physisch spürbar.

Eine Achterbahn durch die innere Selbstbetrachtung und Wahrnehmung des Umfeldes beschreibt am ehesten meine Wahrnehmung der Protagonisten. Dabei berührt mich der afghanische Einwanderer in seinem konstanten Glauben an Gott und Familie mehr als die exzentrischen Allüren der deutschen jungen Menschen. Bei ihnen blitzt zwischendurch und wiederholend die gefühlte Kraft der Zusammengehörigkeit auf, hält aber nicht dauerhaft an.

Jeder Mensch hat Begabungen. Bei Autor Qamar Mahmood ist eine die Übersetzung seiner philosophischen Ader in die Geschichte seines Romans. Er skizziert seine Protagonisten so, dass sich Fragen nach Zusammenhängen von Schicksal, Glaube, Zufall und menschliches Versagen aufdrängen und mit poetischen Versen verdeutlicht werden. Eine eindeutige Antwort darf jedoch niemand erwarten. Obwohl ich mich gerne mit tiefgründigen philosophischen Erkenntnissen beschäftige, hätte ich mir im Verlauf der Geschichte etwas weniger Schwermütigkeit gewünscht. Positives flammt auf, doch wird zu oft von verhängnisvollem und tödlichem Handeln abgewürgt.

Eine meiner Lieblingstextstellen ist diese von Reza, die sich trotz Trauer stark nachempfinden lässt. Und das ist es doch, was ein Autor erreichen möchte, oder?

„Das wars, jetzt habe ich auch meine Erinnerungen vom Staub der Nostalgie befreit. Und es bricht mir das Herz, immer und immer wieder über all die Ereignisse nachzudenken. Tief in meinem Inneren folge ich noch seiner Empfehlung: „Du musst dein Herz so lange brechen, bis es sich öffnet.“ (S. 290)

Aber bitte findet selbst heraus, ob euch das Ende dieser dramatischen Geschichte anspricht. Viel Freude dabei.

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